Nachruf
Kandra
7. 2 .2010 – 24. 2. 2026
Es gibt Leben die keinen Lärm machen – und doch lernen sie mehr als 1000 Gespräche.
Kandra war so ein Leben.
Eine traumatisierte Hündin die seit Geburt 6 Jahre lang in einem Ungarischen Tierheim überlebt hatte.
Die große Angst nicht überleben zu dürfen, die Angst vor Fremden, die Angst vor der ganzen Welt, das alles waren Zeichen einer Vergangenheit die Kandra gelehrt hatten erst zu zittern – noch ehe sie leben durfte.
Und doch – sie die so still war in ihrem Schmerz – zeigte einen tiefen Stolz.
Die Geschichte von Kandra ist eine Geschichte eines traumatisierten, unglücklichen Hundes – der das Überleben gelernt hatte, jedoch nie das Vertrauen zu Menschen.
Eine dieser Kreaturen die der Welt als „kompliziert“ zu „arbeitsaufwendig“ und „schwierig zu vermitteln gelten“.
Einer dieser Hunde die sich am liebsten unsichtbar machen würden.
Kandra hatte Glück! – Sie wurde gesehen.
Eine liebe Pflegerin hat ermöglicht, dass Kandra einen anderen Weg einschlagen durfte.
Nach 6 langen Jahren in einem kalten, nassen Betonzwinger kam die Tierhilfe Franken e.V.
und hatte den Mut einem der ärmsten der Armen zu helfen.
Sie wurde ins Tierhilfehaus nach Betzenstein gebracht und fand bei uns die Pflegefamilie, bei der sie mit Unterstützung des Vereins als Patentier für immer bleiben durfte.
Wir hatten den Mut uns auf Kandra einzulassen – und durften eine ganz einfache Wahrheit erfahren: solche Hund wollen nicht „bekämpft“ werden – Sie wollen „gelebt“ werden.
Und so machten wir uns auf unseren gemeinsamen Weg.
Überleben – dass hatte Kandra gelernt – nun galt es, Vertrauen zu lernen.
Kein Sitz! Kein Platz! Kein Fuß – Vertrauen!
Kandra trug Narben am Körper – doch die tiefsten Narben waren die unsichtbaren auf ihrer Seele.
Die Tierhilfe Franken e.V. hatte Kandra gerettet. Und wir durften nun einem ganz einfachen Prinzip folgen: Jedes Leben verdient Liebe und Zuwendung.
Es ist keine Heldentat – es ist Menschlichkeit.
Jeder kleine Schritt – jede Berührung – jeder Augenblick des wachsenden Vertrauens war ein stiller Sieg.
Langsam ganz langsam über viele Wochen, Monate und Jahre hat sich Kandras Welt vergrößert – und das Vertrauen durfte wachsen.
Liebe Hände, sicherer Schlafplatz, voller Napf, andere liebe Hunde – Tag für Tag bis sie genauso viele Jahre bei uns verbracht hatte – wie an dem dunklen Ort der nun Vergangenheit war.
Ihr Vertrauen und ihre Liebe wuchsen so sehr, dass sie das Wertvollste was sie besaß in unsere Hände legte – ihr Leben.
Die letzten Jahre kämpfte Kandra tapfer gegen viele körperliche Beschwerden – ohne zu jammern – ganz still und mit einer unvorstellbaren Stärke. – Und immer dieser Blick voller Dankbarkeit und dem Wunsch für immer hier mit uns bleiben zu dürfen.
Kandra ist uns ans Herz gewachsen. Durch ihr Vertrauen, und ihre Stärke und das Überleben schlimmster Umstände – ohne jemals aufzugeben.
Kurz nach ihrem 16. Geburtstag wussten wir, dass die Zeit nun gekommen war.
Wir begleiteten Kandra zur Regenbogenbrücke.
Ganz ruhig – ganz klar – und mit einem letzten Blick voller Vertrauen und Liebe ging Kandra fort.
Gehalten von den Händen denen sie am meisten vertraute.
Begleitet von all unserer Liebe und dem Vertrauen, dass sie auf der anderen Seite liebevoll empfangen würde – ließen wir sie frei.
„Flieg Kandra, flieg mit den Engeln!“
Du wirst immer bei uns sein – in unseren Gedanken – in unseren Herzen
mit all deiner Liebe und deinem Vertrauen.
Wir sollten alle lernen traumatisierte, eingeschränkte Hunde nicht als Last zu sehen. Jedoch die Möglichkeit erkennen dadurch besser zu werden. Eine Form der Menschlichkeit die sich nicht dadurch begrenzt den „einfachen Weg“ zu gehen.
Auch die gebrochenste Seele kann ein Zeichen der Liebe für die Ewigkeit setzen.
Kandra hat es uns mit jedem Blick gezeigt!
Danke Kandra für dein Vertrauen und deine Zeit mit uns.
Über Patenhund * Kandra
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