Geschichten aus dem neuen zu Hause

Wir haben endlich unser zu Hause gefunden. Und das ist so toll, dass wir es in die Welt hinausschreien könnten. Und für alle, die diese Freudenschreie nicht gehört haben, hier unsere Geschichten:

 

Burli, jetzt Koda

Oktober 2011:



Hallo liebes Tierhilfe-Franken-Team,

ich wollte mich ja schon längst mal wieder bei euch melden, aber ich habe hier so schrecklich viel zu tun! Es ist eine Heidenarbeit, eine so junge, wilde Familie menschengerecht zu erziehen, das kann ich euch sagen, aber... ohne Fleiß kein Preis! Hier ist ja so viel passiert, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll... Erinnert ihr euch noch an meinen letzten Bericht? Das war Anfang September und seitdem hat sich einiges bei mir getan.

Erstens – ich bin groß. Naja, natürlich noch nicht ganz so groß wie ich mal sein werde, schließlich bin ich erst 6 ½ Monate alt, aber doch schon richtig groß. Meinen Colliefreundinnen bin ich schon über den Kopf gewachsen, allen miteinander, außer der Lulu, aber da ist ja auch Neufundländer drin. Und ich wiege 28 Kilo und krieg jetzt eine Rampe fürs Auto, weil Frauli immer was von Bandscheibenvorfall murmelt, wenn sie mich in oder aus dem Kofferraum hebt. Was hat die bloß immer, ich kann das doch hüpfen, sie müsste mich nur lassen... aber da sind wir halt wieder bei der Erziehung dieser Menschen. Naja, ich arbeite dran, versprochen.

Und ich muss noch was gestehen – ich bin wild!!!  Dass ich so ein ruhiger kleiner Hund war, war alles nur Tarnung! Man muss ja traurig und depressiv werden, wenn man so klein ist und schon so viel herumgeschoben wird, wie das bei mir war, aber jetzt, jetzt bin ich ICH. Und ich bin WILD! So wild, dass mein Frauli und mein Herrli schon bezweifeln, dass ich ein reinrassiger Schäferhund bin. Sie halten mich für eine Kreuzung aus einem Schäferhund, einem Springbock, einem Schaufelbagger, einem Gummiball, einem Papierschredder und einem Staubsauger!

Um da mal einen Fachmann draufschauen zu lassen, waren wir ja in der Hundeschule. Das war lustig – das ist nämlich gar keine Schule für Hunde, sondern eine für Menschen. Die Menschen lernen da, wie sie uns durchs Leben begleiten, ohne uns dabei zu stressen. Die Zweibeiner haben dauernd gesagt bekommen, was sie tun und lassen sollen und sind ständig korrigiert worden. Wir wurden fast nur gelobt und immer angelächelt, und ganz viel leckere Leberwurst gab's auch! Mein Frauli hat's ganz gut gemacht, glaub ich. Aber am Ende hat der Trainer zu meinen Frauli gesagt: "Der ist wild. Er ist lieb und er will Ihnen gefallen, aber er ist wild. Und verdammt schlau. Das ist eine anstrengende Mischung, mit dem werden Sie noch viel Freude haben!" Wie hat er das denn bitte gemeint? Frauli sagt, ich bin ein toller Hund! Mir doch egal, wenn ich "wildintigentstrengend" oder was auch immer bin, wenn Frauli mich trotzdem lieb hat – und das hat sie, das weiß ich genau. Sie sagt nämlich, ich bin was ganz Besonderes, und mein Frauli hat immer Recht, basta!

Außerdem bin hier unersetzlich! Und fleißig bin ich außerdem! Ich hab sofort und ohne zu Klagen meinen Anteil an der Hausarbeit übernommen. In der Küche erledige ich den Vorspülgang der Spülmaschine, ganz allein! Und wenn mich keiner dabei stört, dann bin ich dabei auch sehr gründlich! Mit dem Staubsauger führe ich harte Verhandlungen, wer von uns beiden das Anrecht auf die meisten Krümel hat, aber er ist älter und schon länger hier als ich, also muss ich mich fügen... (aber die Katzenfutterschüsseln mach immer ich sauber, weil ich viel schneller als der doofe Staubi bin!) Mein Frauli hat es außerdem nur mir zu verdanken, dass ihr lang gehegter Traum von der Umgestaltung des Esszimmers so schnell wahr werden konnte, nur mir ganz allein, ich bin nämlich ein sehr engagierter Innenarchitekt! Ich versteh nur nicht, warum Herrli darauf besteht, dass erst dann ein neues Sofa ins Haus kommt, wenn ich aus der Pubertät wieder draußen bin. Pubertät? Hilfe, ist das ansteckend? Kann man sich da nicht impfen lassen?

Im Garten mach ich mich auch nützlich. Ich bin ein gewissenhafter Unkrautvernichter, Beeteumgraber, Kartoffelausbuddler und Bäumchenauspflanzer. Außerdem hab ich schon fast alles winterfest gemacht, ehrlich! Die Blumen, die diesen Dürresommer überlebt hatten, hab ich alle weggefressen. Mein Frauli sagt, nächstes Jahr spart sie sich viel Geld, weil sie einfach keine mehr pflanzen wird. Schade, sie haben gut geschmeckt!

So, das ist jetzt aber genug, ich habe schon viel zu viel geschrieben, dabei hab ich doch so viel zu tun! Und jetzt muss ich ganz dringend raus in den Regen, noch ein bisschen Schmutz ins Haus tragen!

Liebe Grüße an alle

Euer Koda


Ps: Die Fotos, die ich euch schicke, sind von Mitte September... jetzt bin ich also noch vier Wochen größer!








 

06.09.2011:



Hallo liebes Team von der Tierhilfe Franken!


Ich bin jetzt keiner von euren Schützlingen mehr, aber ich will euch natürlich nicht vorenthalten, wie es mir jetzt geht und wo ich wohne! Also, hier wohne ich: in Breitenthal, das ist ein ganz kleines Dorf. Wirklich klein. Kleiner. Noch kleiner. Frauli sagt, hier gibt's mehr Tiere als Menschen und sie hat Recht. Es gibt jede Menge Schafe, Hühner, Kühe, Pferde, Hirsche, Damhirsche, Katzen, Gänse, Enten... na, all so was halt. Und natürlich auch Menschen, denen die ganzen Tiere gehören, aber das sind gar nicht so viele. Breitenthal hat nur zwei Straßen ohne Namen, 15 Häuser und ein Ferienhaus... ihr seht also, ich bin ein echtes Landei geworden!

Im Dorf gibt's außer mir noch ganz viele andere Familienhunde – und drei davon hab ich schon kennengelernt. Mit dem einen  Yorkshire Terrier geht's nicht so gut, der fürchtet sich so vor mir, obwohl ich ganz lieb bin und nur spielen will, aber Jack und Annie sind schon meine Freunde und wir dürfen ganz toll miteinander toben.  Seit zwei Tagen darf ich auch zeitweise schon ohne Leine mit raus, ich geh gar nicht weg. Könnt mein Frauli ja verlieren, das wär schlimm! Und den Holzheimer Collie-Clan kenn ich ja eh schon. Lauter Mädels, lauter Collies, Bearded Collies, Border Colies, normale Collies, Collie-Mischlinge... toll! Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, weil nächste Woche geht's los, sagt Frauli, mit der Junghundeerziehungsarbeit. Da gehe ich dann in die Schule, ein oder zweimal in der Woche. Und ich muss dann jeden Tag Hausaufgaben machen. Weiß gar nicht warum, ich bin doch schon recht brav. Meistens. Naja. Öfter. Doch. Wirklich. Ich komm immer. Und ich setz mich meistens schon prompt hin. Und das Wort "aus" also... das hör ich öfter.  Aber Frauli hat viel Geduld mit mir und die lässt da auch nicht locker. Also jetzt mal unter uns, liebe Tierhilfe Franken: hier ist es ja echt toll und das Futter... also das Futter ist absolut spitzenmäßig, ich bin schon ein ganzes Stück gewachsen, seit ich hier bin! Aber hättet ihr nicht doch vielleicht ein Zuhause finden können, wo man nicht ganz so streng mit der Erziehung ist? Wo's reicht, wenn man nur ein bisschen hört? Ein klein wenig? Vielleicht? Manchmal? Wenn man grad selber Lust hat? Nein? Ach doof... na, dann nicht.

Frauli sagt, es wäre einfacher  mit der Erziehung, wenn ich ein verfressener Hund wäre. Oder wenigstens ein Lieblingsspielzeug hätte.  Bin ich aber nicht, also verfressen, mein ich. Mir ist ein Leckerli ja echt ganz egal. Die meisten fresse ich eh nicht. Außer es ist Leberwurst. Für Leberwurst überleg ich's mir vielleicht. Dann hat mein Frauli die ersten spielerischen Lektionen mit dem Spielzeug als Belohnung probiert... klappt auch nicht so. Hab einfach kein Lieblingsspielzeug oder wenig Beutetrieb, sagt Frauli. Nur also... ich verrat euch was: ich steh auf Blumentöpfe. Echt wahr. Bunte, glasierte Blumentöpfe. Frauli stöhnt und sagt, sie sieht sich schon mit dem Blumentopf in der Hand über den Hundeplatz laufen und murmelt irgendwas von "fremdschämen".  Aber ich weiß, dass sie das macht, wenn's sein muss. Ihr wisst ja: Erziehung und so wird hier groß geschrieben. Ihr solltet mal sehen, wie gut diese großen, Gras fressenden Wieher-Hunde alle auf mein Frauli hören. Und sogar die kleinen, Miau-Hunde. Überhaupt alle. Sogar der Mann vom Frauli. Und die Kinder. Und das Opaherrli. Der hört immer auf mein Frauli, wenn die sagt: "Opa, komm essen". Sollt ich mir dann wohl auch angewöhnen, hm?

Frauli hat ja Geduld mit mir. Sie sagt, Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden und sie lobt mich für jeden Fortschritt.  Ich kann schon ganz viel: "Sitz", "Komm", "Nimm's ", "Schau mich an" (das ist lustig), "Steh" und  "Naaaaaaaaaaaah". Das sagt mein Frauli immer, bevor wirklich ein "Nein" kommt. (Aber das "Nein" ist dann deutlich, das kann ich euch sagen). Ach ja, "Pfui", das kann ich eigentlich auch. Irgendwie kenn ich das zumindest. Machen tu ich's fast immer. Hör ich eigentlich nur, wenn ich versuche, Katzenhäufchen zu fressen. Oder mich drin zu wälzen. Hab ich auch einmal geschafft, aber danach musste ich baden. Mit Shampoo. Igitt, das war vielleicht gruselig! Ins Wasser, also in gutes Wasser, das tolle Wasser im Frauenbach oder in der Vils, da geh ich sehr gern rein! Aber Badewasser ist blödes Wasser. Das ist lauwarm und mit Seife, pfui Deibel! Da hör ich lieber auf das "Pfui!" Heut waren wir beim Tierarzt, weil... also... ich hab Flöhe. Hab sie mir wohl beim Spielen mit anderen Hunden geholt. Und dann hab ich auch noch die Katzen angesteckt. Frauli ist da drüber wahnsinnig begeistert. Wäscht jetzt ganz viel Wäsche und hat uns alle fünf, die vier Miezen und mich mit so komischem Zeug eingeträufelt, das haben wir heut bei der Tierärztin geholt. Zusammen mit den Wurmkuren für uns alle. Die Frau Doktor ist aber ganz nett. Hab mir in die Ohren gucken lassen und noch eine Nasenimpfung gekriegt, weil ich ja bald in die Hundeschule will, und Zeckenschutz hab ich jetzt auch... das riecht vielleicht *schnupper*

Manchmal sticht mich der Hafer und dann will ich ganz wild spielen, aber eigentlich bin ich ein eher ruhiger Hund... sagt Frauli. Herrli auch. Und Omafrauli, die sagt, dass ich "Seidenöhrchen" hab. *Bissi stolz auf meine Seidenöhrli bin* Und Opaherrli, der mag mich sowieso gern, weil der Hunde schon immer gern gehabt hat. Und die Katzen, also... die werden mich auch bald mögen. Die schmusen mich jetzt schon an, wenn wir sie morgens treffen, wenn wir Gassi gehen... dann kommen die nämlich immer grad heim. Und wenn sie zu meinem Frauli Hallo sagen, dann sagen sie das auch zu mir. Oft rennen sie dann zwar wieder weg vor mir, aber immerhin, das Eis schmilzt. Nur ich kann noch nicht so viel "kätzisch", sagt Frauli. Manchmal wär ich lieber eine Mieze. Dann würden die bestimmt alle mit mir spielen, glaub ich. Aber eigentlich bin ich ganz froh, dass ich der neue Hund im Haus bin. Weil... mindestens einen Hund braucht man schon im Haus. Hat Heinz Rühmann schon gesagt: man kann ohne Hund leben, aber es lohnt sich einfach nicht.



Hallo liebes Tierhilfe-Franken-Team, liebe Frau Schlor,

ich möchte mich kurz melden und berichten, dass wir den allerbesten,
allerfeinsten und allertollsten Hund der Welt mit Koda (vormals Burli)
bekommen haben und ihn nicht mehr missen möchten. Er macht sich ganz hervorragend und ist immer bemüht, alles richtig zu machen. Langsam "taut er auch auf" und wird richtig übermütig, was ja nur gut ist, war er doch vorher ein für sein Alter schon sehr ruhiger und zurückhaltender kleiner Hund. Auf jeden Fall hat er schon eine Menge neuer Freunde gefunden (drei Colliehündinnen, eine Bearded Collie Hündin, einen Dackelmischling und eine Golden Retriever Hündin, die allerdings eine strenge Erziehungstante ist) und mit den Katzen wird es von Tag zu Tag besser. Zwei durfte er schon ganz intensiv abschnuppern und "kätzisch" wird er in den nächsten Wochen lernen. Er rennt ihnen zwar immer noch ab und an nach, weil er einfach nicht widerstehen kann, aber er ist dabei niemals aggressiv, nur verspielt und zu stürmisch, was die Miezen ihm auch nachsehen, jedenfalls hat keine mehr wirklich Angst vor ihm. Er macht alles mit, ist für jeden Unfug zu haben und wird immer mutiger!
Sobald er im Lauf der kommenden Woche seinen Zeckenschutz und die
Wurmkur bekommen hat, gehen wir dann auch in die Junghundegruppe. Mit den Pferden kommt er sehr gut zurecht und hat keinerlei Scheu vor ihnen, lässt sich aber durchaus von ihnen maßregeln. Alles in allem macht er sich absolut klasse und ist schon jetzt nicht mehr aus unserem Familienleben wegzudenken.

Liebe Grüße aus der Oberpfalz
Mara Eichenseer und Koda






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